Wann wird es mal wieder richtig Sommer?

Damit hat McG den Gedanken von »The Terminator« scheinbar konsequent bis zum Ende durchdacht, jedoch wird ihm die formale Fortschrittlichkeit zur Stolperfalle. In der Reduktion auf die Grundmythen Gut gegen Böse, sowie Mensch und Maschine, hat er die Basiserzählung des amerikanischen Actionfilms übersehen, ohne den der Film nicht funktionieren kann: Nicht nur Amerika und die Welt in einer konzentrierten Krise werden dargestellt, sondern auch die des amerikanischen Mannes, allgemeiner gesprochen: das Subjekt in seiner Krise. »Terminator Salvation« ist ein Film voller Schachfiguren, die Namen aus der »Terminator«-Vergangenheit tragen, aber keine Konflikte mehr austragen. Innerhalb des terminatorimmanenten Mythos würde das entweder eine Fortsetzung von John Connors Konflikten bedeuten und / oder der Kampf der Menschen mit den Maschinen. Christian Bales humorloser, einfallsloser und undynamischer John Connor taugt dafür nicht. An der Figur Marcus Wright hätte er das Universum der Menschen und Maschinen im Kampf miteinander fortführen können. Marcus Wright ist auch in dem Sinne eine inhaltliche Weiterführung dieser Formlogik, indem er den Menschen nicht nur imitiert, sondern die Grenzen zwischen Mensch und Maschine endgültig verwischt. Er muss sich den Emotionen der Menschen nicht mehr durch Mimikry annähern, sondern hat diesen Schritt übersprungen, war bereits ein Mensch, ist jetzt Maschine. McGs Film ist also nicht formal gescheitert, aber hat es versäumt, jenseits der ästhetischen Collage, mit Wright den komplexesten aller bisherigen Terminatoren zum Helden des Films zu machen.

Kurz bevor Marcus Wright, gespielt vom überzeugenden Sam Worthington, endlich auf John Connor trifft, wird er von den Rebellen als Terminator enttarnt. Er ist eine hybride Maschine, heilt schnell, spürt kaum Schmerz. Sein Herz und seine Haut sind menschlich und auch sein Gehirn, der implantierte Chip darin jedoch nicht. Von Skynet mit einem hochkomplexen Endoskelett ausgestattet, verfügt er über die Unverletzlichkeit der Vorgänger-Terminatoren und überwindet deren größte Schwäche: ihre dumpfe Artifizialität. Der implantierte Chip erlaubt Skynet nicht nur, durch seine Augen zu sehen und somit als »Big Brother« in das Rebellenhauptquartier vorzudringen, er fungiert auch als Fernsteuerung, die Marcus’ Menschlichkeit aus- und seine Maschinenhaftigkeit einschaltet. Damit taugt Marcus zum hochkomplexen, posttraumatischen Actionhelden. Der Untote muss sein Trauma überwinden, indem er am Ende des Films dem sterbenden John Connor sein Herz spendet. Mit der Aufgabe seiner Menschlichkeit findet er wieder in diese zurück. Sein Leben im eigenen Spiegelkabinett von Skynet löst sich auf. Sein zweiter Tod verspricht ihm Erlösung und den Rebellen eine Zukunft. McG, der formal diese Maschinenwelt inszeniert, hat die Weiterführung der Maschinenkrux in seinem eigenen Film verpasst. Im Grunde ist »Terminator Salvation« der komplexeste, untypischste Sommer-Blockbuster, auch wenn es auf den ersten Blick so scheint, als sei er deren Prototyp mit seiner rudimentären Handlung und dem Crescendo aus Explosionen und Verfolgungsjagden.

Formal stehen »Terminator Salvation«, »Public Enemies« und »The Hurt Locker« in einer Reihe; der Kampf Gut gegen Böse, ein Mann gegen den Rest der Welt, wird innerhalb überschaubarer Formalia verhandelt. Schaut man jedoch ganz genau hin, kann man deutliche Unterschiede wahrnehmen. Da bleiben sich der Actionfilm und die Gangsterklamotte als Erben des Western treu. Die Kritik an der Schlichtheit der Story ist hochkulturelle Augenwischerei, die anderes verschleiern will: Das reaktionäre Handwerkszeug wird ausgepackt, um den Tatsachen der alles durchdringenden kapitalistischen Produktionsverhältnisse nicht in die Augen sehen zu müssen. Durch diese Kritik spricht der nach wie vor übermächtig vorhandene Wunsch, zwischen guten und bösen Kulturprodukten unterscheiden zu können. Die Kritik am Blockbuster lässt sich von ideologischen Scheuklappen ob des Bombastes, sei es an Etat oder Material, leiten und legt in der Analyse falsche, weil moralische Maßstäbe an: Statt das Spektakel und die Oberfläche zu sezieren, über die die Filme vermittelt werden, wird nach einem inhaltlichen Kern, wie man ihn im bildungsbürgerlichen Entwicklungsroman findet, gefahndet. Diese Form der Analyse und Kritik muss zwangsläufig scheitern. Hollywood-Blockbuster verleiben sich Techniken und Filmstile unideologisch ein, dadurch entstehen scheinbar ähnliche Filme, die sich aber tatsächlich sehr unterscheiden, immer wieder aus den Labels herausfallen. »The Hurt Locker« ist auf Grund seiner formalen Struktur der klassischste unter den drei hier verglichenen Actionfilmen, aber wegen seines verhältnismäßig kleinen Produktionsetats und der dadurch fehlenden Maschinerie aus Werbung, Merchandise und inszenierter Box-Office-Starts bei weitem kein Blockbuster. Das Summermovie-Versprechen lösen in diesem Sinne nur »Public Enemies« und »Terminator Salvation«. Alle drei verglichenen Blockbuster sind als Metakommentar zu ihrer eigenen Form angelegt. Ihre postmoderne Selbstreflexivität setzt sich in den Helden fort, die keine Charakter-, sondern Figurenerforschungen sind. Spannung und Ästhetik werden über Handlung und Erkenntnis gestellt und führen dadurch zu anderen Ausgangspunkten. Hollywoodfilmemacher zu sein ist bei aller Leidenschaft für das Material eine nüchterne Angelegenheit, die das Kunstwerk Film aber trotzdem vor einem irgendwie gearteten Zweck rettet. Auteuristischer Ausdruck spielt eine Rolle, genauso wichtig sind aber Handwerk und der Einsatz der vorhandenen Technik, die sich wiederum über persönliche Vorlieben, Produktionsetats und technische Entwicklung strukturiert. Der Regisseur tritt hinter das Material zurück und drückt ihm trotzdem seinen Stempel auf – das wird etwa darin erkennbar, dass Bigelow bewusst unideologisch erzählt, Michael Mann politische Reflexion aktueller, amerikanischer Verhältnisse einbaut und McG seiner Vorliebe für Technik, Material und Spektakelinszenierung frönt. Dieser Text soll wahrlich keine Beweisführung sein, dass jeder Blockbuster wertvoll ist und außerhalb Hollywoods und jenseits bombastischer Etats keine tollen Filme gedreht werden, als Ehrenrettung der Oberfläche und des Spektaktels darf er aber durchaus verstanden werden.